Meine Erlebnisse im Zugverkehr in BW und darüber hinaus

Als enthusiastischer Bahnfahrer lege ich möglichst viele Wege im Rahmen meines Mandates im Zug (und auch im Bus) zurück. Die Servicequalität der Bahn lässt sicherlich manchmal zu wünschen übrig, aber in den meisten Fällen läuft der Betrieb wie ein (schweizer) Uhrwerk. Mit diesem Bahn-Tagebuch will ich einen Überblick geben, wie gut oder wie schlecht ich das Leben in (mehr oder weniger) vollen Zügen genieße.

Die Idee zu diesem Bahntagebuch kommt natürlich vom grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel MdB, der als bahnpolitischer Sprecher schon seit November 2013 ein solches Bahntagebuch führt, dass hier verfügbar ist.

Januar 2022

Strecke (ca.): 210 km
Fahrzeit: 3:17
Route: RE3[SINGEN]/IC2288

Kommentar:
Mein Bahn-Jahr 2022 beginnt gleich mit einer Verspätung. Der IRE ab Erzingen kommt dort zwar verspätet an (4 Minuten), holt die Verspätung aber bis nach Singen mehr als ein und ist dort überpünktlich. Der IC nach Stuttgart fährt pünktlich in Singen ab, gerät dann aber auf der Strecke in eine Zugfolge. Außerdem ist eine Weiche defekt, weshalb auf das Gegengleis ausgewichen werden muss. Bevor dieses aber frei ist, stehen wir nochmal auf freier Strecke. In Stuttgart stehen dann 18 Minuten Verspätung auf dem Zähler, den Termin um 11.00 im Landtag kann ich damit vergessen.

Strecke (ca.): 210 km (nur Zug)
Fahrzeit: 4:02 (inkl. Bus)
Route: IC2387[SINGEN]/IRE[ERZINGEN]/BUS[LAUCHRINGEN]/BUS

Kommentar:
Relativ normale Fahrt. IC aus Stuttgart mehr oder weniger pünktlich in Singen und der IRE nach Basel ist es dank seines 5-Minuten-Puffers in Singen auch. Da seit dem Fahrplanwechsel der elegante Umstieg in Tiengen vom IRE auf die RB um dann in Lauchringen auf den Bus zu wechseln nicht mehr möglich ist, nehme ich ab Erzingen den Bus bis nach Lauchringen. Auf die Minute genau komme ich zu Hause an.

Strecke (ca.): 210 km
Fahrzeit: 3:11
Route: RE[SINGEN]/IC2288

Kommentar:
Die Fahrt beginnt eigentlich ganz normal: Der IRE ist in Erzingen wieder drei Minuten zu spät, holt die Verspätung aber bis Singen wieder rein. In Singen kommt dann auch der IC (aus Radolfzell) pünktlich und fährt ebenso pünktlich wieder ab. Auf den Gegenzug in Tuttlingen muss nicht gewartet werden, dieser steht schon im Bahnhof. Aber trotzdem geht die Fahrt in Tuttlingen erstmal nicht mehr weiter. Der Grund: Technische Störung am Zug. Aber hier eine der etwas kurioseren Sorte: Es ist nämlich der Schlüssel zum Dienstabteil in Wagen 1 abgebrochen und das Dienstabteil ließ sich dadurch nicht öffnen. Anscheinend wird aber Material aus dem Dienstabteil gebraucht, um den Zug abzufertigen. Die Minuten vergehen, ehe entweder illegal, oder mit Ersatzmaterial der Zug abgefertigt werden kann und seine Fahrt fortsetzt. In Stuttgart sind wir dann wieder 15 Minuten zu spät und ich ebenfalls bei meinem 11.00 Uhr-Termin. Wenigstens haben die Gesprächspartner*innen dann etwas zum Schmunzeln.

Strecke (ca.): 224 km
Fahrzeit: 3:07
Route: IC2389[SINGEN]/IRE

Kommentar:
Angenehme Fahrt. WLAN bis Singen vorhanden. In den neuen Doppelstockzügen auf der Hochrheinbahn aber leider nicht mehr. Alle Züge waren pünktlich, sogar der IC aus Stuttgart kam nur 2 Minuten zu spät in Singen an, fast rekordverdächtig.

Strecke (ca.): 210 km
Fahrzeit: 2:59
Route: RE[SINGEN]/IC2288

Kommentar:
Wieder eine angenehme Fahrt. RE nach Singen pünktlich, IC nach Stuttgart pünktlich und fast leer. Mehr braucht man nicht, WLAN funktioniert in beiden Zügen.

Strecke (ca.): 347 km (nur Zug)
Fahrzeit: 4:22 (inkl. Bus)
Route: IC2064[KARLSRUHE]/ICE79[BASEL BAD BF]/RB[LAUCHRINGEN]/BUS

Kommentar:
Der gut besetze IC verlässt Stuttgart bereits mit einer Verspätung von fünf Minuten. Dadurch kommen wir in eine Zugfolge und müssen immer mal wieder anhalten und warten. Dazu kommt noch, dass es ein Problem mit einem herrenlosen Fahrrad gibt, dessen Halter*in nicht gefunden werden kann, weshalb das Fahrrad in Mühlacker aus dem Zug „aussteigen“ soll. In Mühlacker meldet sich dann doch der Halter des Fahrrads und es kommt noch zu einer Diskussion. Beide (Mensch und Fahrrad) fahren dann aber doch weiter mit. In Karlsruhe angekommen steht noch der frühere ICE nach Basel. Am Bahnsteig großes Gerenne von mindestens 30 Personen, die diesen ICE erreichen wollen. Dieser fährt jedoch als sichtbarer Anschluss allen vor der Nase weg. Das Problem für mich: Der ICE79 ist nach einer Türstörung zehn Minuten zu spät. Aber der Lokführer kennt keine Gnade mit seinem Zug: In Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg und Basel wird nach dem Motto „Mit voller Geschwindigkeit in den Bahnhof und dann Vollbremsung“ gefahren. Von den zehn Minuten Verspätung können so fünf wieder hereingeholt werden. Im Zug erfolgt keine Information zur Anschlusssicherheit nach Lauchringen. In Basel selbst bestehen dann zwei Minuten Umstiegszeit. Mit Rennen reicht es mir auf die Regionalbahn. In Lauchringen dann kommt noch als letztes kleines Ärgernis der Bus zehn Minuten zu spät und lässt uns in der Kälte warten. Insgesamt keine entspannte Fahrt, vor allem weil die Fahrdienstleitung in Karlsruhe gnadenlos war.

Februar 2022

Strecke (ca.): 210 km
Fahrzeit: 2:58
Route: IRE[SCHAFFHAUSEN]/IC284

Kommentar:
Aus irgendeinem Grund gibt es morgens immer eine S-Bahn, die nicht von Gleis 3 sondern von Gleis 2 in Erzingen abfährt, dies nur als Randnotiz. Diese Konstellation hat aber den Vorteil, dass man die S-Bahn (Abfahrt immer um .48 Uhr und NACH dem IRE) zum Aufwärmen nutzen kann, solange man auf den IRE wartet. Dieser fährt nämlich um 6.44 von Gleis drei. Die heutige Garnitur fährt ohne erste Klasse, auch dies nur als Randnotiz, ich selbst genieße zwar meist den zusätzlichen Platz in der ersten Klasse, aber genieße auch sonst das Leben in vollen Zügen, idealerweise aber eher in nicht so vollen. Aus terminlichen Gründen kann ich heute nur den früheren Zug nehmen, also einen mit Wagen der SBB und ohne WLAN. Dieser war nicht zu voll, aber am Ziel zehn Minuten zu spät. Zum Termin reicht es mir dieses Mal aber trotzdem.

Strecke (ca.): 234 km
Fahrzeit: 2:46
Route: IC2265[MÜNCHEN-PASING]/BUS

Kommentar:
Sehr angenehme Fahrt. Internet im Intercity (IC1) sehr stabil, reicht auf der gesamten Länge der Fahrt für eine Videokonferenz aus. Zug ist gut besetzt, aber nicht überfüllt. Fast wäre ich noch zu spät gekommen, denn laut DB Navigator sollte der Zug um 12.57 Uhr fahren. Hier zeigt sich ein kleines Problem in der App: Verspätungen in Kopfbahnhöfen werden meist nicht weggerechnet. Wenn ein Zug in einem Kopfbahnhof drei Minuten zu spät ankommt, fährt er laut App auch drei Minuten später ab. In meinem muss es aber so gewesen sein, dass der Lokführer am Zug entlang gerannt sein muss, um pünktlich um 12.54 Uhr abzufahren. Ich habe den Zug dadurch nur knapp erreicht.

Strecke (ca.): 337 km
Fahrzeit: 3:28
Route: IRE[BASEL BAD BF]/ICE100[KARLSRUHE]/IC2167

Kommentar:
Angenehme Fahrt. Der Doppelstock-IRE nach Basel ist relativ leer und kommt pünktlich in Basel an. Der ICE nach Karlsruhe ist erst mit 10 Minuten, dann mit 5 Minuten und schlussendlich dann doch nur 2 Minuten zu spät. Bis Karlsruhe sind wir aber wieder on time. Der IC nach Stuttgart verkehrt dann noch in umgekehrter Wagenreihung, aber sonst pünktlich.

Strecke (ca.): 333 km (nur Zug)
Fahrzeit: 1:50 (Teil 1) + 2:00 (Teil 2) = 3:50 (inkl. Bus)
Route: IC2368[KARLSRUHE]/ICE5[FREIBURG]/(Aufenthalt in Freiburg)/ICE73[BASEL BAD BF]/IRE[WALDSHUT]/BUS (SEV)

Kommentar:
Die Fahrt beginnt ganz normal, Abfahrt in Stuttgart pünktlich, unterwegs allerdings etwas Verspätung und in Karlsruhe wird es eng. Aber es reicht für den ICE nach Freiburg. Dieser ist relativ gut gefüllt, aber in Freiburg sogar zwei Minuten zu früh! Nach einem Besuch in Freiburg geht es weiter. Ebenfalls in einem ICE 4 fahre ich nach Basel. Der ICE ist dabei so pünktlich, dass es sogar noch auf den IRE reicht, den ich bis Waldshut nehme. In Waldshut geht es dann in den SEV-Bus nach Eggingen, um dann -geplant- mit dem Bus zurück nach Ofteringen zu fahren. Allerdings ist der SEV etwas zu spät und der Bus in die Gegenrichtung schon weg. Ich beende also die Fahrt in Eggingen, gut wenn man dort jemand kennt!

Strecke (ca.): 210 km
Fahrzeit: 3:03
Route: IRE[SCHAFFHAUSEN]/IC284

Kommentar:
Angenehme Fahrt: Ganz spontan nutze ich den IRE nach Schaffhausen und nicht die S-Bahn. Der IRE ist auch pünktlich in Schaffhausen, ebenso der anschließende Intercity. Allerdings sammelt dieser dann auf der Gäubahn wieder die üblichen 10-15 Minuten Verspätung an, was durchaus negativ zu Buche schlägt.

Strecke (ca.): 347 km (nur Zug)
Fahrzeit: 4:18 (inkl. Bus)
Route: IC2160[KARLSRUHE]/ICE73[BASEL BAD BF]/RB[LAUCHRINGEN]/BUS

Kommentar:
Normale Fahrt. In Karlsruhe wieder sehr enge Umstiegszeit, aber es reicht sogar noch für den (leicht) verspäteten ICE aus Köln. Mit dem besteht dann in Basel genug Zeit zum Umstieg. Die Regionalbahn nach Lauchringen fährt wieder mit mangelhaftem WLAN aber sonst pünktlich.

Strecke (ca.): 333 km (nur Zug)
Fahrzeit: 3:35 (Teil 1) + 0:52 (Teil 2) = 4:27 (inkl. Bus)
Route: BUS[WALDSHUT]/RB[WALDSHUT]/ICE374/(Aufenthalt in Karlsruhe)/IC2069

Kommentar:
Sehr abenteuerliche Fahrt. Am Morgen mit dem Auto während Sturm nach Lauchringen gefahren, nur um den allerersten Bus nach Waldshut nehmen zu können. In Waldshut steht die RB schon bereit. Kurz vor Abfahrt kommt jedoch eine Durchsage des Lokführers: In der Folge des Sturmtiefs Antonia darf die Strecke nur mit maximal 80 km/h befahren werden. Wir nehmen also die Fahrt auf, verlieren aber Minute für Minute unsere Pünktlichkeit. Es wird immer spannender, ob es noch auf den ICE in Basel reichen kann. Doch trotz zehn Minuten Verspätung reicht es noch. Der ICE fährt zwar pünktlich los, aber wird kurz danach ausgebremst. Vor Freiburg dann Stillstand. Der Grund: Personen im Gleis. Nach zwanzig Minuten setzt der Zug seine Fahrt fort. In Karlsruhe habe ich den Treffpunkt damit aber eigentlich schon verpasst. Nach einem Ausflug nach Insheim geht es dann mit einem IC2 weiter nach Stuttgart. Auf diesem Abschnitt ist alles in Ordnung.

Strecke (ca.): 347 km
Fahrzeit: 3:50
Route: IC1164[KARLSRUHE]/ICE373[BASEL BAD BF]/IRE[WALDSHUT]/RB

Kommentar:
Die Fahrt beginnt noch ganz normal und auch der ICE von Karlsruhe nach Basel ist pünktlich. Von Basel aus reicht es sogar noch auf den IRE und damit zu einem schnellen Besuch im Schnellrestaurant in Waldshut, bevor es mit der RB weiter geht. Skurril ist aber, was im IC von Stuttgart nach Karlsruhe passiert ist: Dieser soll nämlich in Karlsruhe-Durlach halten, so steht es im Fahrplan. Der Halt in Durlach wird auch angekündigt, erste Fahrgäste ziehen sich die Jacke an und begeben sich zum Ausgang. Als erfahrener Bahnfahrer frage ich mich noch kurz, ob denn nicht der Bahnhof Durlach gleich kommen müsste, als der Zug trotz Vollbremsung durch den Bahnhof rauscht, gefolgt von der Entschuldigung des Schaffners, der leider das Bremsen vergessen hatte. So ging es uns nun wie schon mehrfach im Bahnhof Wolfsburg und persönlich habe ich auf jeden Fall so etwas noch nicht erlebt. Der Lokführer auf meine Nachfrage übrigens ebenfalls noch nicht.

Das Bahntagebuch ist natürlich niemals fertig. Hier geht es bald weiter, die nächsten Fahrten warten schon!